
Die Internet Seite Reisen-fuer-alle.de ist überarbeitet wieder online gestellt worden. Was mann in Fachkreisen einen Relaunch nennt. Sie hat ein neues, frisches Design erhalten. Vermutlich wurden die fehlende Kompatibilität zum BFSG als Anlass genommen, der Webseite eine grafische Überarbeitung zukommen zu lassen.
Nach meiner Einschätzung ist hinsichtlich BFSG noch Luft nach oben, aber das soll nicht mein Thema hier sein.
Projekt Versagen in der Theorie
Mit der grafischen Überarbeitung wurde auch im technischen Hintergrund (Backend, wie der ITler sagt) versucht die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und eine neue Suche und Filterung einzubringen mit der eine differenzierte und detaillierte Suche nach geeigneten Stell- und Camping Plätzen möglich ist.
Die Bedienoberfläche (Frontend; IT-Sprech) wurde überarbeitet, die Suche in Kategorien und Filter erweitert. Gleichgeblieben ist das Versagen in der Qualität der Ergebnisse. Den grundlegenden Fehler sehe ich dabei in einem klassischen Projekt Versagen der IT-Verantwortlichen. das hätte anders laufen müssen!
Vielleicht noch kurz zu meiner Person: ich darf seit 20 Jahren als Berufsbezeichnung geprüfter IT Projektleiter by IHK nennen, auch wenn ich grade am Flughafen Koffer in den Flieger laden würde: Packer wäre dann meine Jobbezeichnung, IT-Projektleiter wäre ich immer noch von Beruf.
Seit 25 Jahren arbeite ich als IT Business Consultant und implementiere Fachanwendungen zu betrieblichen Geschäftsprozessen. Lasst uns also davon ausgehen das ich ein wenig Ahnung habe wovon ich rede!
Den Ansatz der Projektverantwortlichen, in Kategorien und erweiterten Filterkriterien dem Suchenden endlich eine angepasste Möglichkeit zur Hand zu geben damit er einen nach seinen Bedürfnissen gestalteten Camping Platz finden kann befürworte ich.
Leider ist die Umsetzung stümperhaft. Definion der Kategorien und Bestimmung der Filterkriterien mögen ja einfach nicht meiner Wahl entsprechen. Eine Aussage hierzu könnte also als subjektive abgetan werden. Ich gehe aber von grundlegendem Ignorieren der Projektanforderungen im Verständnis der Aufgabe aus, die es zu erfüllen galt.
Nicht ohne uns über uns
Es setzt sich langsam die Erkenntnis durch das jedes Vorhaben zur Barrierefreiheit nur unter Einbeziehung der Betroffenen Sinn macht.
#notwithoutmeaboutme
ist das noch Projektmanagement?
Egal ob im Agilen Projektmanagement nach Scrum oder klassischen Projekt nach Prince2: der Anwender, jemand der das anwenden und bedienen muss was das Projekt als Ergebnis liefern soll, ist der heilige Gral und die ultimative Instanz zu beurteilen ob es so geliefert wurde das der Anwender etwas damit anfangen kann.
Nach meiner Einschätzung wurden Menschen, Urlauber, Camper mit eingeschränkter Mobilität nicht zu Rate gezogen bei dem Versuch, die vorherige Katastrophe wesentlich zu verbessern.
Daten ohne Sinn oder Verstand
Eine Differenzierung der Abfrage kann nur Sinn machen, wenn die zugrunde liegende Datenhaltung in der Granularität (IT Sprech; „Detaillierung“) nach Umfang und Tiefe genügt: also wenn die Daten so aufgeteilt sind das sie den Suchkriterien entsprechen.
Da die Datenerhebung in der Vergangenheit stattgefunden hat und damals noch keiner wusste was in der Zukunft – also heute – daraus abgebildet werden sollte wäre es sehr unwahrscheinlich, wenn die Granularität dem aktuellen Stand genügen würde. In der freien Wirtschaft geht man hin und erstellt eine Liste der zu ergänzenden bzw. zu überarbeitenden Daten und dann geht es wieder los Daten erheben.
Ich schätze das Projekt bei Reisen für Alle läuft seit ca. 6 Monaten. Die erwähnte Überarbeitung der Daten wäre in der Zeit nicht möglich gewesen. Das zu diesem verfrühten Status bereits der Relaunch vollzogen wurde muss Gründe haben die jenseits meiner Kenntnis liegen.
Keine Zukunft
Hat niemand im Projekt erwogen an die Zukunft der Datenauswertung zu denken? Was ist ein Projekt wert das ohne Bedeutung für die Zukunft entwickelt wird?
Heutzutage redet man mit seinen Daten; das nennt sich KI. Und die KI redet mit dir. Stumpf Checkboxen anklicken, eine Ergebnisliste zurück zu erhalten und fertig ist sowas von 2020. Jedenfalls nix für 2030. Wir schreiben das Jahr 2026 – welchen Zeitraum kalkulieren die Projektverantwortlichen @ Reisenfüralle für den Nutzen des jetzt veröffentlichten Releases?
In ein höchstens zwei Jahren wird die KI den Umgang mit Daten soweit revolutioniert haben das Checkbox anklicken etwas für Verwaltungsfachangestellte sein wird.
Projekt Versagen in der Praxis
Unterstellen wir einmal folgendes Szenario: Ich bin ein Paraplegiker (Querschnittsgelähmt) ohne Einbußen in der Restkraft, aber einer leichten Steifheit im Lendenwirbelbereich. Ich versuche autark zu sein, Strom und andere Komponenten sind entsprechend konfiguriert.
Ich bin alleine unterwegs. Meinen Rolli kann und muss ich aus eigener Kraft bewegen.
Jetzt nach 8 Tagen quer durch die Alpen suche ich einen Camping Platz im Allgäu weil ich Strom brauche und Pippi loswerden muss. Selbstgekochtes Ravioli aus der Dose bin ich über; also steht ein Restaurant Besuch an. ich muss einen passenden Platz finden, Pippi quillt über, Strom läuft auf Reserve, Frischwasser ist auch leer.
Abends noch eine Runde durch die Sehenswürdigkeiten zu rolen wäre nett
Also: ich gehe auf die Homepage von Reisen für Alle und versuche meine Angaben zu erfassen.
Reisen für Alle: die Suche finden und die Reisekriterien eintragen
Vorauswahl
Zuerst muss eine Vorauswahl in 4 Kategorien getroffen werden:

Kat 1 ist eine Auswahl nach Art des Etablissements, das Einzige was meinem Anforderungen entspricht ist Beherbergungsbetrieb: Campingplatz /Stellplatz.
Die getroffene Auswahl wird nicht angezeigt in „Was? Kategorie“?
Kat 2 filtert nach Bundesland: Ich wähle Bayern
Kat 3 filtert nach Region: ich wähle Allgäu
Kat 4 endlich zeigt weitere Anforderungen nach Einschränkung an:
– barrierefreie Sanitäranlage: interessiert mich nicht; ich habe Dusche und Klo im Camper, ich muss entsorgen
– Suche nach barrierefreier Entsorgung nicht vorhanden
– Suche nach Strom auf der Parzelle barrierefrei ist nicht vorhanden
– Suchen nach „Menschen mit Behinderung“ ist vorhanden; aktiviere ich
– Suchen nach „min 80 cm breiten Türen“ wähle ich aus; es hätte auch 90 cm oder 70 cm gegeben
Letztendlich kann ich nur drei Punkte aus meinem Szenario übernehmen. Diese werden nach Abschluss der Sucheinstellung angezeigt (4)

Als Ergebnis werden mir 4 Campingplätze gezeigt:
– TopPlatz Reisemobilstellheim Hofheim: der Platz hat das Signet „Barrierefrei“ einfach nicht verdient, wieso Reisen für alle dies tut bleibt ein Rätsel. Ich hatte schon ganz konkret nach den Gründen für die Bewertung des Stellplatzes gefragt, die Antwort ist Reisen 4 Alle bis heute schuldig!
– Park Camping Lindau: der Platz ist nicht barrierefrei und für mich nicht geeignet. Würde ich tatsächlich hinfahren wäre ich aufgeschmissen; weil Wege nicht barrierefrei sind, Übergänge von Parzelle zu Wegen wetterbedingt ausgewaschen und nicht für mich geeignet.
Ich finde keine Angabe zu Strom und Entsorgung, dabei war das besonders wichtig. Angaben dazu ließen sich aber nicht machen.
Das Ergebnis wird auch so unkommentiert ausgegeben, ich kann nichts daran verfeinern, ändern, oder Angaben erhalten wieso es die 4 Campingplätze geworden sind.
Fazit: unbrauchbar, auch nach dem Relaunch ist Reisen für Alle als Such-Portal für Camper mit Einschränkungen nicht zu gebrauchen!
Alternative: KI
Dann formuliere ich meine Anforderungen – so wie oben genannt – ins Eingabefenster einer KI:

So geht es dann weiter:

So geht es dann weiter:

Ich habe dann gefragt ob Fotos existieren die die Aussagen belegen können. Ich konnte nachfragen, verfeinern, korrigieren, weitere Auskünfte dazu einholen usw.
DAS ! , Reisen für Alle; wäre der Bringer für euren Relaunch gewesen. In 1 Jahr spätestens wird das der Standard werden.
Und: wir werden dafür kein Jahr benötigen.
Euch wird dann nur noch Euer Ministerium am Leben halten, marktwirtschaftlich wollen wir euch in die Vergessenheit drängen!

Schreibe einen Kommentar