Juni 2026 – Kleine Ungarn Tour am Balaton

Wir haben uns entschieden, wegen anstehender Arzt Termine den Urlaub nicht wie geplant im Norden Europas – Skandinavien – zu verbringen, sondern etwas näher: die Wahl fiel auf Ungarn, dort den Balaton, zu deutsch immer noch als „Plattensee“ bezeichnet.

Hätte, hätte – Fahrradkette

Hätte es nicht diese Rekordtemperaturen bis an die 40° C gegeben, wäre die Reise wahrscheinlich anders ausgefallen. Hätten wir wie geplant die Fahrt Richtung Skandinavien umgesetzt, würden wir die armen Bratlinge im Süden bei angenehmen 25° bedauert haben.
So landeten wir selber im Bratofen.

Wir wussten nichts vom Balaton.
Uns war klar: wegen der kommenden Hitzewelle werden wir uns abkühlen müssen – also würde es wohl kein Freistehen auf Behindertenparkplätze werden sondern Zugang zu Wasser auf kostenpflichtigen Camping- oder Stellplätzen.

Stefan spoilert: die Nordseite ist mit ihrem hügeligen Profil landschaftlich reizvoll; wir haben eine Nacht bei einem Weingut in der Nähe von Badacsony verbracht: eine einmalige und wunderschöne Aussicht über den See, dem Hitzschlag zwar nah, aber trotzdem schöne Landschaft.
Wer sportlich aktiv ist und mit dem Handbike eine Runde um den See drehen will findet bestimmt seine Höhepunkte. Angesichts der allgemein vernachlässigten Barrierefreiheit bei Übergängen, Bordsteinen und der ungarischen Wegführung insgesamt eher eine wagemutiges Unternehmen, aber die Fußgänger auf ihren Rädern dürften ihr Vergnügen gefunden haben.
Zur Bademöglichkeit im Balaton: es entzieht sich meinem Verständnis, wie man aus Deutschland kommend den Weg an den Balaton auf sich nimmt mit dem Gedanken „Baden“, wenn das Mittelmeer mit seinem kristallklaren Wasser in vergleichbarer Reichweite liegt!
Das Wasser des Balaton ist eine trübe Brühe, es lässt den Grund nach wenigen Zentimetern nicht mehr erkennen; die Schlamm-Ufer so flach das nach mehreren hundert Metern Kinder noch darin stehen können; gerüchteweise warm – wir sind nicht drin gewesen.

In der Konsequenz hieß das für uns: Campingplatz mit Pool.

Keszthely(H) – Badacsony(H) – Balatonfüred(H) – Siofok(H) – Bükfürdö(H) – Porec(HR)

Keszthely – Camping Gärtnerhof

Wer auf Schlösser steht ist in Keszthely an der richtigen Stelle, sofern er über zwei gesunde Füße verfügt – müssen nicht die eigenen sein – und im Verantwortungsfall eines Schiebers mit daran befindlichen kräftigen Armen die den Rolli durch den Kies bewegen können der als Bodenbelag wohl ungarisches Kulturgut ist.

Schloss Festetics ist eine Reise wert. Mit Zuschüssen der EU konnten Schloss und der angrenzende Park in einem guten Zustand gehalten werden. Auf Nachfrage wurde uns eine überraschend moderne Behindertentoilette zugänglich gemacht. Trotzdem haben die EU Gelder nicht zur Barrierefreiheit beigetragen – der rolligerechte Eingang zum Schloss kann nur über eine Stufe erreicht werden. Außen- und Parkanlagen sind mit Feinkies bestreut der es uns zur Tortur hätte werden lassen, würden wir versucht haben das Gelände zu erkunden.

Wer also einen Camping Platz sucht zur Schlossbesichtigung dem sei der Campingplatz Camping Gärtnerhof empfohlen. Kleiner, günstiger und netter Campingplatz mit 15 ebenen Stellflächen, Strom mit dem Rolli erreichbar. Barrierefrei nur in der anspruchsvollsten Kategorie -sportlich fitter und eigenständiger Rollifahrer, alternativ mit kräftiger Schiebung.
Das Sanitärhaus ist ebenerdig erreichbar wenn Rollifahrer weiß wo er lang muss (hintenrum Richtung Wohnhaus der Eigentümers, dann links rum).
Dusche und Toilette im 80er Jahre Ostblock Stil, sauber, nicht rollstuhlgerecht, so auch keine Umstände um einem Rollifahrer in den eigentlich schönen und erfrischenden Pool zu bekommen.

Barrierefrei / Rollstuhl geeignet in Keszthely (wie eigentlich im ganzen uns bekannten ungarischen Raum, dazu später mehr) nicht vorhanden.
Wir sind vom Campingplatz runter und wollten ans Wasser. Stefan hat das was sich da restehalber noch Bürgersteig nennen will von vorneherein boykottiert und ist auf der Strasse gefahren. Tina hat es anfangs versucht, ist dann aber Stefan auf die Strasse gefolgt.

Badacsony – Camping Eldorado

Was Stefan an Eindrücken aus Badacsony bleiben wird ist auf jeden Fall die Antwort in der Touri-Info auf die Frage:
„Was können wir denn in Badacsony machen?“
„Skifahren“
„Wie bitte? Ski fahren?“
„Sie meint Schiff fahren, Stefan!“

Badacsony: Zentrum des ungarischen Weinanbaus, Touristenmeile im (Mini-)Ballermann Stil, Yachthafen, Touristen HotSpot, mehrere Camping Plätze. malerische Landschaft.
Und uns steht die ganze weite Welt des Schiffverkehrs auf dem Balaton offen – und nur die!

Im Nachhinein muss der Aussage zugestimmt werden – dem Fußgänger bieten sich in und um Badacsony viele Möglichkeiten, dem Rollifahrer nicht. Der kann sich auf dem Schiff anschauen ob die ockerfarbene Suppe nicht irgendwo doch aufklart.

Positiv am Besuch der Touri-Info war: sie hielt einiges an Broschüren und Info Material bereit wie eine Bucket-Liste, Top-Attraktionen am Balaton usw.
Viele der Sehenswürdigkeiten wie sie bspw. auf visitbalaton365.com 15 zu sehen sind haben wir nicht besucht – bei dem Wetter nicht empfehlenswert. Hinsichtlich der allgemeinen Erwartungshaltung, wie rolli-tauglich es wohl werden wird war eine Entscheidung der Art „Lass es uns versuchen“ nicht drin.

Verlässt man mit dem Auto den flachen Flecken Keszthely in Richtung Nordosten, also die Nordseite rauf, wird das Profil abwechslungsreicher und es zeigt sich eine sehenswerte, von kleineren Hügeln durchzogene Landschaft.

Einer dieser Hügel ist auffallend: oben gibt’s ’ne Burg! Burg Szigliget zeigt: die Ungarn können nicht nur Schloss, die können auch Burg!
Was sie nicht können ist touristische Aufbereitung und Präsentation. Wir sind auf Verdacht hingefahren; noch war uns die Stellungnahme der Touri-Info zu den uns möglichen Aktivitäten um Badacsony ja nicht bekannt.
Tatsächlich verkehrt ein Shuttle von Badacsony zur Burg Szigliget, wie in der englischsprachigen Version der Homepage von Szigliget Castle 15 mitgeteilt wird. Einen relativ unscheinbaren Eingang meinen wir gefunden zu haben als wir beobachteten wie ein Wohnmobil neben uns hielt, die Insassen ausstiegen und zu einer bestimmten Stelle in der ansonsten undurchdringlich erscheinen Mauer-Gestrüpp-Fels Kombination strebten. Angesichts der Luftbilder und der nicht vorhandenen Willkommensgeschenke für unseren Besuch ging es weiter.

Vorbei am Ufer des Balaton fallen einige Hinweise auf Camping Plätze auf. Wir hatten uns Badacsony Camping Eldorado aus dem ADAC Campingführer 2026 ausgesucht. Das wichtigste vorab: in der Vor- und Nachsaison wird den Campern gratis Frühstück angeboten!
Dieser Hinweis findet sich mehrfach sowohl im gedruckten Campingführer als auch auf der begleitenden Online Seite. Hinweise zur Barrierefreiheit nur in Form eines Icon das den Campingplatz mit Sanitärkabinen für mobilitätseingeschränkte Gäste kennzeichnet. Online war auch ein Pool zu sehen, also hin!

Die Eindrücke der Touri-Info mit der auskunftsfreudigen Auszubildenden wurden bereits besprochen. Was noch beeindruckte war ein Storchennest in einem kleinen Dorf im Hinterland (gefunden auf der Suche nach Weinprobe). Sage und schreibe 4 !!!!! (in Worten vier !!!) schon relativ große Jungtiere konnten im Nest beobachtet werden.
Wenn die Eltern in der Lage sind 4 Jungtiere aufzuziehen kann der Gegend dort nur ein großes Kompliment ausgesprochen werden – irgendwas machen die Verantwortlichen in Landwirtschaft und Infrastruktur richtig.
Wein- und Sirup Verkostung zusammen wurde ebenfalls gefunden. Geschmacklich nicht unbedingt unser Fall, aber die Hinfahrt und die Aussicht haben entschädigt.

Camping Badacsony Eldorado

Die Homepage ist in einer eingedeutschten Version aufrufbar. Ein Plan des Platzes (s.u.) ist online verfügbar. Barrierefreie Stellplätze werden nicht ausgewiesen, die Kennzeichnung des barrierefreien Klos oder der barrierefreien Dusche ist nicht gegeben, beides ist aber vorhanden und abgesehen vom Feinkies auf dem Gelände ebenerdig und erschütterungsfrei erreichbar. Einen geschützten Zugang zu den barrierefreien Sanitätseinrichtungen gab es nicht, beide (Toilette und Dusche) eigenständig zugänglich.
Reklamationen wg. der nicht ganz zu schließenden Tür der Toilette wurden umgehend bearbeitet. Die Anlagen waren alt, aber sauber.

Nach der Einfahrt der netteste Empfang auf einem Campingplatz bisher: die Chefin (vermutlich) sitzt vor der Rezeption (trotz Klima in der Rezeption), kommt uns entgegen und spricht uns auf deutsch an.
Wir müssen nicht mal aussteigen.
Nicht das es dem TuSKaMobil anzusehen ist mit dem Ruf nach Barrierefreiheit, jedenfalls gehen wir davon aus das es uns nicht derart auf den ersten Blick auf die Stirn geschrieben steht.
Wir bekamen den Plan des Camping Platzes ausgehändigt, sollten unweit der Rezeption parken und uns einen freien Stellplatz aussuchen, dann zurück zur Rezeption und einchecken.

Der Campingplatz bietet zu den Stellplätzen für Camper auch Mietunterkünfte im festen Anbau an. Im Plan der einzige mit einem Rolli gekennzeichnete Bereich. Mit zwei ausgewiesenen Behinderten Parkplätzen und einer etwas steilen Rampe zum Eingang. Der Zugang zum Wohn- und Schlafbereich hat eine kleine Schwelle, ansonsten ist der Bereich aber barrierefrei. Die Raumgestaltung lässt Platz das sich auch mit einem Rolli darin bewegt werden kann.

Dem Bad fehlen ein paar Details wie Haltegriffe an der Toilette, kippbarer Spiegel, höhenverstellbares Waschbecken, das Klopapier auf dem Absatz oben mag auch nicht dem Optimum entsprechen, aber immerhin. Ausgewiesene und tatsächlich weitestgehend umgesetzte barrierefreie Mietunterkünfte auf einem Campingplatz sind uns noch nicht so oft aufgefallen.

Das Restaurant hat Mittags ein Tagesangebot zum Preis von 2.500 HUF (ca. 7 €) bereit gehalten, ansonsten Menu à la carte. Der Zugang für Rollifahrer führt über ein kleines Stück Wiese und etwas Kante eine Rampe hoch in den großzügigen, offenen Gastbereich. Tina ist mit ihren unterstützten Rädern hier herauf gekommen, ansonsten fordert der Zugang Schiebung an.

Nur mit fremder Unterstützung und schlankem Rolli geht es in den Kiosk / den Verkaufsladen. Nachdem Verkaufswaren aus dem Weg geräumt und uns über die Schwelle geholfen wurde sind wir durchgekommen. Aber selbst mit der Räumaktion wäre es breiteren (E-)Rollis nicht empfohlen hier die Durchfahrt zu versuchen.

Die Oberfläche der Stellplätze besteht aus Grasnarbe und dem Wurzelgeflecht der umstehenden Bäume; schattige Stellplätze können sich ungünstig auf die Bodenbeschaffenheit auswirken.
Zum mit Feinkies bedeckten Zufahrtsweg sind Unebenheiten vorhanden. Wer Abends trotzdem den Weg zum nicht allzuweit entfernten Gewässer auf sich nimmt wird mit einer schönen Aussicht belohnt. Eine Zugangsmöglichkeit zum Wasser besteht nicht.

Wie oben bereits erwähnt sind barrierefreie Toilette und Dusche getrennt von den Damen- und Herrensanitärbereichen frei zugänglich. Spülen sind unterfahrbar, aber zu hoch. Für die Angler unter Euch sind extra Becken vorhanden, um den geangelten Fisch zu waschen und auszunehmen. Chemie und Frischwasser sind nur umständlich zu erreichen.
Versorgung über Bodenablass.

Kommen wir zur Hauptattraktion – dem Pool.

Sehr schöner Pool – wenn man raufkommt. Der Pool ist in eine künstliche Anhöhe eingebracht, mit ca. 1,50 Höhe ist eine kurze, knackige Steigung zu überwinden.

Diese Steigung ist als Rollifahrer eigenständig nicht zu schaffen. Ihr braucht einen Schieber, gerne etwas kräftiger (an Arm, nicht an Bauchumfang :-). Wenn ihr dann oben seid, beruht es auf eurer Fitness und den erwähnten Oberarmen in den Pool rein und auch wieder raus zu kommen.

Achtung! Info an das Gespann aus Rolli und Schiebung: Berghoch waren die Schlappen des Anschiebers vlt. noch trocken. Das mag sich im Laufe des Badespasses ändern.
Bitte bedenkt beim feuchten Bergab nach dem Badespass die geänderte Form und mangelnde Haftung der Schlappen, das kann überraschend glitschig werden!

Es sei an dieser Stelle erlaubt, die Sinnhaftigkeit einer barrierefreien Mietunterkunft zu hinterfragen, wenn weder zum See noch in den Pool ohne fremde Unterstützung eine Zugangsmöglichkeit besteht!
Was soll ein Rollifahrer hier?
Straßen und Gelände, öffentliche Wege nicht ausreichend Rollstuhlgerecht.
Nicht in den Pool.
Nicht in den Teich.

Spoiler: für weniger als den hier verlangten Übernachtungspreis von 61 € gab es in Kroatien einen Campingplatz mit 3 Poollandschaften, mit dem Rolli direkt an die Wasserkante des Pools; und einem glatten, erschütterungsfrei betonierten und durch 2 Geländer unterstützten Zugang ins herrlich blaue und klare Wasser der Adria.

Wie oben bereits erwähnt sind barrierefreie Toilette und Dusche getrennt von den Damen- und Herrensanitärbereichen frei zugänglich. Spülen sind unterfahrbar, aber zu hoch. Für die Angler unter Euch sind extra Becken vorhanden, um den geangelten Fisch zu waschen und auszunehmen.

Kommen wir zur Hauptattraktion – dem Pool.

Sehr schöner Pool – wenn man raufkommt. Der Pool ist in eine künstliche Anhöhe eingebracht, mit ca. 1,50 Höhe ist eine kurze, knackige Steigung zu überwinden.

Diese Steigung ist als Rollifahrer eigenständig nicht zu schaffen. Ihr braucht einen Schieber, gerne etwas kräftiger (an Arm-, nicht an Bauchumfang :-). Wenn ihr dann oben seid, beruht es auf eurer Fitness und den erwähnten Oberarmen in den Pool rein und auch wieder raus zu kommen.

Achtung! Info an das Gespann aus Rolli und Schiebung: Berghoch waren die Schlappen des Anschiebers vlt. noch trocken. Das mag sich im Laufe des Badespasses ändern.
Bitte bedenkt beim feuchten Bergab nach dem Badespass die geänderte Form und mangelnde Haftung der Schlappen, das kann überraschend glitschig werden!

Es sei an dieser Stelle erlaubt, die Sinnhaftigkeit einer barrierefreien Mietunterkunft zu hinterfragen, wenn weder zum See noch in den Pool ohne fremde Unterstützung eine Zugangsmöglichkeit besteht!
Was soll ein Rollifahrer hier?
Straßen und Gelände, öffentliche Wege nicht ausreichend Rollstuhlgerecht.
Nicht in den Pool.
Nicht in den Teich.

Spoiler: für weniger als den hier verlangten Übernachtungspreis von 61 € gab es in Kroatien einen Campingplatz mit 3 Poollandschaften, mit dem Rolli direkt an die Wasserkante des Pools; und einem glatten, erschütterungsfrei betonierten und durch 2 Geländer unterstützten Zugang ins herrlich blaue und klare Wasser der Adria.

Balatonfüred – Balatontourist Camping und Bungalows Füred

Wir sind relativ früh angekommen, haben für 2 Nächte reserviert mit Option auf 3 Nächte.
Und sind dann gleich am nächsten Morgen sobald die Kasse an der Rezeption geöffnet hatte wieder gefahren. Die Formulierung „haben fluchtartig den Campingplatz verlassen“ wäre eine nur unzureichende Beschreibung unseres Wunsches, diesem Camping Platz den Rücken zu zukehren..

Der ADAC Campingplatzführer 2026 hat für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nur aus einem Grunde seine Existenzberechtigung: um ihn den Verantwortlichen um die Ohren zu hauen!
Kaum Info zu barrierefreien Campingplätzen (abgesehen vom Hinweis auf barrierefreie Sanitäranlagen), wenn dann sind sie falsch, unzureichend oder fehlen völlig.

Verlässt man Badacsony und fährt weiter Nordosten den Balaton rauf kommt man an Tihany vorbei: einer Halbinsel die in den Balaton reinragt und als Badeort beschrieben wird. Wir sind dem Navi gefolgt und erreichten einen Ort mit verstärktem Touristenaufkommen, ohne das uns weiter eine Sehenswürdigkeit auffiel. Weiter dem Navi nach wurden wir stutzig als große Schilder „Maut“ verkündeten und parkten zur Orientuerung auf einem kleinen, schattigen Parkplatz.
Es verkehrt eine mautpflichtige Fähre zur Südseite des Balaton. So weit war es bei uns noch nicht, deswegen ging es weiter um die Insel rum, der Nordseite zurück aufs Festland folgend.

Bei den Einheimischen und diejenigen die sich zeitweilig dazu zählen wollen scheint sich die Nordseite tatsächlich einer gewissen Anziehungskraft auf Bademutige rühmen zu können.
Für den frühen Check-In noch zu früh suchten wir eine Stelle am Ufer mit Blick auf Badende und Strand und Wasser.
Badewillige bekamen wir zu Gesicht auf dem Weg vom und zum Auto, Strand und Wasser lag zu tief, der Blick darauf wurde zudem noch durch eine halbhohe Mauer verwehrt. Immerhin gab es eine schöne Aussicht auf die gegenüberliegende Bucht von Balatonfüred.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, das wir nicht ansatzweise auf die Überlegung gekommen sind aus dem Auto auszusteigen um uns die Badeszene genauer anzuschauen. Kein Weg über die Strasse, keine Absenkung der Bürgersteige, Strand aus Felsen über eine Leiter zu erreichen: soweit ging unsere Erfahrung als Rolli Touristen in Ungarn schon dass wir dem Entdecker in uns mitteilen durften er könne sich wieder schlafen legen.

Bei der Recherche nach dem nächsten Camping Platz wollten wir uns auf die geprüfte Qualitität des ADAC Campingplatz Führer 2026 15
verlassen, eine Stufe größer mit den Annehmlichkeiten eines großen Camping Platzes.

Da den Angaben auf der Online Seite des ADAC zu den Camping Plätzen nur eingeschränkt vertraut werden kann gehen wir in der Regel sofort auf die Internet Seite des Camping Platzes; auch um zu prüfen ob hier irgendwelche Informationen zur Barrierefreiheit zu finden sind; natürlich möglichst auf deutsch.

Stefan sprang sofort das Bild des Pools ins Auge: groß, überdacht, mit Treppeneinstieg in den Pool – hin !

Im Nachhinein hätten wir das Bild genauer anschauen sollen: dem Schattenwurf oben rechts nach zu urteilen muss hier eine gewisse Höhe vorliegen, ein flacher, ebenerdiger Pool würde keinen Schatten verursachen!

Bei den Bildern auf der Internet Seite vom ADAC zum Campingplatz ist ein Foto zu finden, das die Annehmlichkeiten zeigt:

Der Pool ist – abgesehen von der Babyplansche – nur über eine 15-stufige Treppe zu erreichen.

Stefan ist hoch gegangen um den Bademeister auf die Misere anzusprechen – nachdem ihm das Dilemma verdeutlicht werden konnte sprang er aus seinem Stuhl mit der Absicht, Rolli und Tina hochzutragen. Wir sind runter, Stefan hat Lösungsvorschlag vorgetragen welcher von Tina entgeistert abgelehnt wurde. Ich würde dem Bademeister gerne seinem Pragmatismus einem versicherungstechnischen GAU gegenüberstellen; dank der Sprachbarriere kam es nicht dazu.

Es sei an dieser Stelle gestattet zu fragen, ob ein dezenter Hinweis an der Rezeption „Sorry, Sie wissen das unser Pool nur über eine 15-stufige Treppe zu erreichen ist?“ einer zu hohen Erwartung an Kenne-deinen-Campingplatz des Mitarbeiters entspricht? Wir waren selbstverständlich mit Rolli an der Rezeption.
Der Gedanke, den Rolli sehend zu folgern: „40° draußen – Rollifahrer – Rollifahrer will in den Pool – Alarm! Pool ist rollitechnisch NoGo“ und mit vorgenanntem Hinweis einem Fehler vorzubeugen – wäre unverhältnismäßig anspruchsvoll?

Die Rezeption liegt etwas unterhalb des Strassenniveaus und ist über Rampen erreichbar. Hin ist die Strecke einfach zu bewältigen, zurück mit etwas Mühe. Parkmöglichkeiten um das Fahrzeug stehen zu lassen und sich zum Check-In zu begeben sind in ausreichender Zahl vorhanden. Keines der Parkflächen ist als Behindertenparkplaz gekennzeichnet; stellt sich ein Fahrzeug neben Eures könnte es mit dem Kassettenlift eng werden.

Die Verkehrswege sind zumeist betoniert, aber uneben und weisen Bruchstellen auf. Die Schranke, die die Einfahrt zur Rezeption behütet bewacht neben den Camping Flächen auch den Zugang zu einem Hotel, weshalb die Camping Bereiche nochmals beschrankt sind; Durchgang wird über ein RFID-Token am Arm geschaltet das an der Rezeption vergeben wird. Der Leser des Tokens war noch grade so eben aus dem Rolli erreichbar.

Vorbei am Hotelbereich gelangt man zum schon beeindruckenden Strandbereich, den sich wohl Hotel- und Campinggäste teilen dürfen. Ein große Liegewiese, befestigte, streckenweise mit Holzpaneelen ausgebaute Promenade, Spiel- und Spannung für die Großen und die Kleinen.

Entsorgung bequem überfahrbar. Frischwasser an der gleichen Stelle wie auch die Hundedusche, wobei der Strassenseite zugewandt war die Hundedusche, rückseitig der Frischwasserhahn. Leider war diese Stelle nicht umfassend eben und erschütterungsfrei; die Rückseite war auf Grasnarbe zu erreichen.
Müll nur in den hohen Containern zu entsorgen.

Die Stellplätze in unserem Bereich ebenfalls mit Grasnarbe versehen, entsprechend uneben und anstrengend ließ es sich auf den Stellplätzen fahren.
Zur Seite durch halb-hohe Hecken abgetrennt, zur Mitte Baumbewuchs der für etwas Schatten sorgte. Die Bruchkante zum Zufahrtsweg ist nachgemessen bis zu 5 cm hoch. Landstrom ist frei erreichbar.

Im Sanitärhaus sind Behindertentoilette und -dusche jeweils im Damen- und Herrenbereich unverschlossen der Allgemeinheit zugänglich. Das Umsetzen vom Rolli in den Duschstuhl erfolgt freihändig mangels Haltegriffe. Die Sanitäranlage bietet auch Spül- und Waschmöglichkeiten. Becken sind unterfahrbar, aber zu hoch.

Um sich der Hitze wegen etwas erfrischen und abkühlen zu können – Pool war ja nicht – dachten wir uns an den Außenduschen kalt abduschen zu können.
An allen Wasserhähnen im Sanitärhaus kam nur heißes Wasser heraus! Innendusche, Außendusche, Waschbecken, egal. Und nicht warm – heiß!

Das war der Moment in dem wir uns entschieden am nächsten Morgen wieder das Weite zu suchen!

Siófok – Aranypart Camping & Apartments

Sich durch die unendliche Anzeige bei P4N an Stell- und Campingplätzen zu kämpfen würde den Rest des Urlaubs beanspruchen. Vielleicht etwas für die Regenzeit, von der damals nur geträumt werden konnte. Also doch wieder den ADAC Campingführer bemüht nach Campingplatz am See mit Pool. Gefunden wurde Aranypart Camping & Apartments 15; auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Also 1x rum um den Teich – gute Stunde Fahrzeit.

Die Südseite des Balaton steht in einem großen Kontrast zur Nordseite. Touristen, die sonst in den Niederlanden ihre Freizeit verbringen aber mehr Sonne haben möchten finden hier eine vertraute Umgebung: das Höhenprofil geht gegen 0.

Aranypart Camping & Apartments liegt direkt am See. Die Webseite 15 ist – bis auf kleinere Fehler – auf deutsch verfügbar. Als kleineren Fehler muss akzeptiert werden, das die Buchungsseite und weitere auf englisch angezeigt werden.
Eine Filterung nach barrierefreien Kriterien ist nicht möglich.

Der Lageplan weist 2 Sanitärgebäude aus mit der Kennzeichnung „Rolli“. Das Gebäude links vom Pool hat Schwellen zu den Toiletten Duschen und ist über eine schmale, mit Rissen durchzogene betonierte Rand befahrbar.

Bild vom Pool sieht erstmal ebenerdig aus, eine Katastrophe wie die Besteigung des Pools in Balatonfüred ist nach Ansicht der Bilder nicht zu erwarten

Nach Einfahrt in den Camping Platz stehen reguläre Parkflächen zur Verfügung, keine Behindertenparkplätze. Die Rezeption ist per Rolli erreichbar, man spricht englisch. Ich erzähle von unserer letzten schlechten Erfahrung beim Check-In; das wir im Rollstuhl erschienen sind und nicht darauf hingewiesen wurden vorsorglich 4 Sherpas zur Erklimmung von Mount Pool mitgebracht zu haben.
Die Dame vom Empfang erklärt uns das Belegverfahren: mit der Karte als Neuankömmling gekennzeichnet rumlaufen und was Schönes aussuchen.

Wir also raus und den betonierten Wegen entlang: Stefan wollte den Pool als erstes gecheckt haben.

Der Pool hat mehrere Stufen und ist der bislang kleinste und der bislang vollste auf unserer Reise.

Sanitäre Anlagen siehe oben.

Tschüss.

Überhaupt scheint die Auslastung im Süden größer zu sein als im Norden. Während im Norden eine eher ruhige Stimmung zu erkennen war und ein Großteil der Camper der Fraktion „Rentenerhöhung immer sehr gerne“ anzugehören schien, war im Süden viel Jungvolk los.
Es war das Wochenende vor den Balaton Sounds 15 – vielleicht lag es daran. Hätte nicht die Gefahr bestanden das Stefan seine Wampe im Wasser mit einem Hüpfkissen verwechselt wird; Stefan hätte sich eine Kiste Ibu Profen besorgt und mit gemacht.

Siófok ist keine Partymeile am Strand des Balaton: es sind mehrere Meilen Party am Strand. Nach einigen Kilometern der Strasse entlang in Sichtweite des Sees nach Schatten und Behindertenparkplatz suchend gaben wir auf und fuhren die Hauptstrasse entlang bis wir etwas Schatten fanden.

Was nun? Rund um den Plattensee war die Suche nach Campingplätzen mit Möglichkeit zum Abkühlen nicht erfolgreich. Die nächste Option war Bükfürdö – ja, auch die Ungarn können Umlaut.
(Dachte Stefan bisher Rüfüs del Sol – ob die bei Balaton Sounds dabei waren? – müssten was mit deutsch zu tun haben – nö. Öffensichtlich könnte Rüfüs auch Üngarisch sein, öder sö.)
Der Camping Platz soll an ein Spaßbad/Therme angeschlossen sein. Die Wetter-Apps übertrumpften sich bei den Hitzerekorden – wir brauchten Wasser, in Mengen, einiger Maßen frisch und klar, ausreichend zum Abtauchen.
Wenn der nicht funktioniert dann keine Ahnung …

Bükfürdö – Thermal Camping Bükfürdö

Was können die Ungarn noch außer Schlösser, Burgen, Wein, Umlaut? – Barrierefreier Campingplatz, und zwar in einem Ausmaß wie wir es bisher nicht gesehen haben!

Bükfürdö, unweit vom kleinen Städtchen Bük, liegt auf halbem Weg zurück nach Österreich. Inmitten nicht enden wollender Getreidefelder (die Ungarn können auch Getreide, und zwar ernten, die ganze Nacht lang) muss jemand auf Wasser gestoßen sein. Ausreichend um 15 kleinere und größere Becken zu füllen; wenige auch mit Heilwasser. Die Heilwasser Becken strebten die Außentemperatur an und dufteten auch nach – wir wissen nicht wonach. Aber dem regen Besuch nach musste das wohl wirklich gesund sein.
Andere Becken waren mit Rutschen umsäumt. Es gab Gastronomie deren Logik wir nicht verstanden; es gab Eis das einfach bestellt und bezahlt werden konnte.

Wir haben die Hitze erfolgreich überstanden.

Wir berichten nun nicht eigentlich über Spaßbäder, da aber der Preis für den Stellplatz den freien Eintritt in die Therme beinhaltet und man den Übergang zwischen Camping Platz und Bad gesehen haben muss machen wir mal eine kleine Ausnahme. Zu den Bildern wird es auch ein oder mehrere Videos geben, die wir auf unserem Youtube Kanal veröffentlichen.

Eines der Heilbecken im Inneren hatte einen Kran um Besucher aus dem Rollstuhl ins Wasser zu heben. Die anderen Becken waren über eine Treppe mit mindestens einem Geländer erreichbar. In allen Fällen war der Durchgang durch das Duschbecken zwingend; wir mussten also ein paar Schritte machen um ins Wasser zu kommen. Dieses Hindernis umgehen zu können und direkt mit dem Rolli an den Beckenrand zu gelangen wäre ein Verbesserungsvorschlag von unserer Seite.

Wir erhielten beim Check-In für jeden von uns ein Armband mit RFID Chip. Dieser konnte so kodiert werden, das sich am Durchgang entweder die Drehtür bewegen lässt oder das Tor auf schwenkt. Kam man vom Camping Platz, bewegte sich das Tor nach außen; kam man von der Therme, bewegte sich das Tor ebenfalls nach außen – außen immer von der eigenen Position aus gesehen.
Nach einer Person schließt es automatisch

Einmal wurden wir auf eine Mutter mit Kind aufmerksam, die aus der Therme auf den Camping Platz wollte. Wir waren noch auf der Seite des Camping Platzes; Tina hat das Tor mit ihrem Chip geöffnet da die Mutter immer verzweifelter nach etwas zu suchen schien.

Dummerweise merkt sich das System die Passagen, als wir rüber wollten hat das Tor nicht auf den Chip von Tina reagiert. Stefan musste erst mit Tinas Chip rüber und dort das Tor öffnen damit das System sie wieder auf der Camping Seite verortet.

Thermal Camping Bükfürdö 15 ist im ADAC Camping Führer 2026 15 unterbewertet. Es ist ein mittelgroßer Camping Platz mit allen erforderlichen Merkmalen ausgestattet; die vor kurzem erfolgte Modernisierung hebt den Standard eindeutig auf europäisches Niveau; keine Rede von Ostblock Charme oder dergleichen.

Die Beschilderung der Stellplätze liegt schon über dem Niveau der bisher besuchten Camping Plätze in Ungarn. Wir waren gewohnt, irgendwo im Boden eingelassene Steine, überwachsen und mit verblassener Farbe gekennzeichnete Stellplatz Kennzeichnungen vorzufinden. Hier saubere, große und deutliche Schilder.

Eines hat eine Besonderheit: über der Stellplatz Nummer ist ein Rollstuhl zu sehen, der diesen Stellplatz als ausgewiesenen barrierefreien Stellplatz kennzeichnet.

Große Überraschung: das trifft auch zu 90% zu! Keine Bruchkante zwischen Stellplatz und Wegeführung. Die Oberfläche ist eben, groß und erschütterungsfrei befahrbar. Ausreichend Platz für Kassettenlift und Co; sogar die Rampen mit 7m Länge die sich ein Camping Händler mal ais Zugang zum Wohnwagen überlegt hat würden hier ausreichend Platz finden. Die Stellplätze sind gekennzeichnet, zudem grenzt eine niedrige Hecke sie voneinander ab.
Leider ist der Stellplatz in der online Buchung nicht wählbar.

Der barrierefreie Stellplatz hat Wasser- und Landstromanschluss. Leider wurde versäumt, die Pflasterung des barrierefreien Stellplatzes bis zum Wasser- und Landstromanschluss zu ziehen.
Wir haben in einem Gespräch mit der Camping Platz Leitung angeregt das noch zu befestigen.

Bei Ankunft am Camping Platz konnten wir durch den beschrankten Eingang durchfahren, dahinter fanden sich ausreichend Parkplätze einschließlich eines Behindertenparkplatzes. Die Rezeption ist leider nicht barrierefrei erreichbar; die Tür wies eine kleine Stufe (Profil der Tür Zarge) auf und war so schmal, das kein Platz mehr für die Hände seitlich an den Reifen zu halten war, hier war das kleine Alltags-Kunststück erforderlich, mit den Händen die Vorderräder über die Schwelle zu lupfen und dann in die Tür zu greifen und sich in den Raum zu ziehen.

Anschließend das bekannte Prozedere: auf dem Platz mit den Rollis herum rollen und sich was Schönes aussuchen, die nicht verfügbaren Plätze hat die Rezeption (deutschsprachig) auf einem Plan gekennzeichnet und uns mit gegeben.

Wir also los zur ersten Platzrunde.

Dank der wirklich bruchfrei und eben gepflasterten Wege mal keine Anstrengung die uns nach der kalten Dusche rufen ließ. Wir suchten etwas mit maximal Schatten; der barrierefreie Stellplatz lag leider tagsüber in der Sonne.

Die anderen Stellplätze sind mit grobem Kies ausgelegt, eigentlich mit einem Rolli nicht befahrbar. Für die wenigen Meter bis zum Weg konnte Stefan noch als Schieber (bzw. als Zieher) aktiv werden; dann war es kein Problem mehr.

Der ADAC Campingführer Südeuropa hat 2 Kennzeichnungen für barrierefrei bzw. behindertengerechte Sanitäreinrichtungen:

Schwarzer Rolli auf weißem Hintergrund: für mobilitätseingeschränkte Gäste
invertiert weißer Rolli auf schwarzem Hintergrund: für Rollstuhlfahrer

Beim ADAC in der Einstufung „für mobilitätseingeschränkte Gäste“ angeführt sehen wir als nicht gerechtfertigt. Die Ausstattung entsprach derjenigen der in Deutschland gängigen behindertengerechten und rollstuhlgeeigneten Sanitärräumen:
– Außerhalb der Damen- und Herrentoiletten; eigener Zugang
– geschützter Zugang durch Schlüssel (kein EU Schlüssel), proprietär – wird auf Anfrage an der Rezeption ausgehändigt
– ausreichend Groß
– Boden durchgängig stufenfrei gekachelt
– Duschsitz
– Haltegriffe an mehreren Seiten der Dusche
– separater Toiletten- und Duschstuhl
– Toilette mit Haltegriffen
– Alarmsystem zwischen Toilette und Dusche (nicht getestet 🙂 )
– kippbarer Spiegel
– kippbares Waschbecken (leider ohne extra Ablage; legt man die Utensilien auf oder ins Becken geraten diese leicht ins Rutschen)
– Seifenspender
– Papierhandtuchspender
– Mülleimer
Vermissen würden wir hier nur eine 2. Ablage zwischen Waschbecken und Dusche; evtl. einen 2. Abfluss nahe zur Tür: mit dem Abzieher das Wasser bis an die Tür und in den Abfluss ziehen zu können vermeidet Spuren, wenn beim Abziehen in den Abfluss anschließend wieder der Raum durchquert werden muss.

Für die Müllentsorgung sind an mehreren Stellen normalgroße, also im Sitzen erreichbare Mülltonnen vorhanden, die in kleinen Holzverschlägen unter gebracht sind. Auf den anderen Camping Plätzen fanden wir nur die üblichen Groß-Container vor. Im Rolli-Basketball Trainierte kommen bei diesen Containern vielleicht auf Ihre Kosten sofern sie es bewerkstelligen können die Deckel der Container zu öffnen; Schließen sollen dann diejenigen die dafür verantwortlich sind nur solche Container aufzustellen.

Waschen und Spülen sind barrierefrei erreichbar; die Becken der Spülen unterfahrbar, aber zu hoch.

Zur Grauwasserentsorgung steht eine Bodenstation bereit, die mit Camper überfahren werden kann.

Die Chemietoilette ist im Rolli erreichbar.

Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten werden auf der Homepage beschrieben, uns ist auf dem Camping nichts dergleichen aufgefallen bis auf ein Werbeplakat in der Nähe der Rezeption das Frühstücksangebote anpries.

In manchen Dingen wären Tourismus Beauftragte, Betreiber von Camping Plätzen und anderen hauptamtlich in der Camping Branche tätige Personen empfohlen, mal zur Fortbildung in Sachen barrierefreies Campen diesen Campingplatz zu besuchen und sich ein paar Dinge anzuschauen.

Funtana/Istrien(HR) – Camping Bijela Uvala

Mit unserer Tour um den Balaton herum haben wir Camping Plätze verschiedener Größe besucht – mit der Erkenntnis je größer muss nicht besser sein. Es hat durchaus seine Berechtigung, kleinere Camping Plätze anzufahren. Die Stimmung ist anders, Wege sind nicht so weit, das Selbstgefühl einer unter tausenden zu sein kommt nicht so auf, die Rudelbildung nach Nationen, Familie oder Clan findet nicht so statt. Man lernt das Personal und die Nachbarn besser kennen.
Nichtsdestotrotz: Stefan wollte Mittelmeer, und so ein richtig großes fettes Ding von Camping Platz fehlt noch auf der Liste.

Camping Bijela Uvela liegt in der Mitte der istrischen Küste und gehört eindeutig in die Kategorie „am Größten“. Allein schon aus Sicht der obligatorischen Platzrunde wird ein so großer Camping Platz in der nächsten Zeit wohl vermieden werden.

Im ADAC Campingplatzführer Südeuropa 15 als Tip 2026 beworben wird im Text angegeben: „Hebelift für mobilitätseingeschränkte Gäste“. Die Homepage 15 führt auf: „Angepasst für Menschen mit Behinderungen“.
Scheinbar ist Barrierefreiheit doch kein Fremdwort im Camping. Also hin und das Ganze begutachten.

Eigentlich würde der Camping Platz durch unser Suchradar fallen: er wird beschrieben als „teils welliges, auch terrassiertes Gelände“.
Also mit rauf und runter – das lieben alle Rollifahrer. Aber wegen der Anpassungen an die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Mobilität wollten wir es mal versuchen.

Dann runter nach Kroatien – durch Slowenische Alpenansichten bis hin zum Mittelmeer.

Die Ankunft war schon beeindruckend: „ist das noch Rezeption oder schon Mautstelle?“ Abschüssiges Gelände, riesiger Parkplatz mit zahlreichen Campern und Wohnwagen. Tina rutschte bereits das Herz nach unten: „Das ist voll, die warten hier schon alle!“

Vom Parkplatz aus ist die Rezeption barrierefrei erreichbar: wer loslassen kann erreicht sie fast im freien Fall. Ein paar Höhenmeter tiefer ist die Rezeption per Treppe oder – neben der Treppe – per Rampe zu erreichen. Das Gefälle der Rampen würde wohl Notausstiege aus Flugzeugen glücklich machen, mit dem Rolli ist es one way: runter jiipieeee rauf ogottogott ich sterbe!

Breite Türen zur Rezeption öffnen sich automatisch – auch mal wieder was Neues. Check-In wie gehabt: „Hier ist ein Plan vom Platz; sucht euch was Schönes und kommt dann wieder!“
Das uns gestattet wird mit dem TuSKaMobil reinzufahren und uns umzuschauen sagt, glaube ich, etwas über die Größenverhältnisse des Camping Platzes aus.

Mit der Größe wird vieles zur Qual – auch die Wahl des Stellplatzes. 9 Sanitärhäuser – bis auf 2 alle mit Behindertentoiletten. Wir haben uns dann für P71 entschieden – etwas abschüssig; Stellplatz und Weg schlecht befahrbar, dafür aber schattig und in der Nähe vom Sanitärhaus 07 und nicht so weit vom Einkaufsladen; in Strandnähe, und die eine Poollandschaft an der wir vorbeigekommen sind ist auch in der Nähe.

Zum Sanitärhaus vorab: Wow! ganz neu; und wenn Stefan mal viel Geld hat will er hier einziehen!

Wir lassen unser mobiles Zuhause auf dem Stellplatz stehen und rollern in Richtung Rezeption. Böser Fehler!

Es geht aufwärts! Endlos!

Wir fahren größtenteils auf der Strasse; das Absenken von Bordsteinkanten hat sich hier noch nicht zur Zufriedenheit durchgesetzt. Der Bürgersteig hat eine Querneigung die jenseits von Gut und Böse ist; kurz vor Erreichen der Rezeption muss die dort befindliche Gastronomie bezwungen werden. 2 Treppen sind rechts mit einer Rampe versehen: Runter jippiiie – rauf never ever!
Stefan muss hier aussteigen und den elektro-mobilisierten Rollstuhl von Tina unterstützen.

Irgendwann erreichen wir die Rezeption; am Schalter fragen wir nach dem Hebelift bzw. den Anpassungen für mobilitätseingeschränkte Personen.
Dazu hat unser Rezeptionist keine Informationen. Er ist ja auch erst seit 2 Wochen da. Er holt einen Kollegen hinzu der auch nicht darüber informiert ist was seinen Marketing Kollegen da eingefallen ist auf die Homepage zu schreiben. Wir erfahren später das dieser Kollege mit 2 Monaten der Dienstälteste am Tresen ist.
Beide sind ehrlich bemüht uns weiter zu helfen und wirklich betroffen uns hier keine konkrete Informationen geben zu können.

Einer der beiden holt die nächste Eskalationsstufe in der Unternehmenshierarchie dazu.

Diese kann Angaben zum barrierefreien Zugang ins Meer machen (die sich später als falsch herausstellen), empfiehlt aber diesen nicht zu nutzen und zeigt danach Expertise in „Kunde abwimmeln ohne ihn zu verärgern.

Zurück zum Auto und zum Stellplatz.

Die Markise aufzuspannen wird nicht erforderlich sein dank der Bäume die in unserem Bereich ausreichend Schatten spenden. Trotzdem wird der Aufenthalt auf diesem Campingplatz zum anstrengendsten unser bisherigen Tour werden.

Die Wege sind nicht schwellen- oder bruchfrei. Der Übergang vom Hauptweg zu unserem Bereich ist nicht eben; abbiegen auf den Weg der zu unserem Stellplatz führt: ist nicht eben und hat eine Steigung. Der Weg zum Stellplatz sowie der Stellplatz selber sind nicht erschütterungsfrei zu befahren. Weiter den Weg lang zum Hauptweg Richtung Sanitärhaus ist anstrengend weil nicht erschütterungsfrei; zum Sanitärhaus dann wieder eine Steigung.

Das Sanitärhaus selber ist top, wie gesagt, Stefan würde hier einziehen.
Die Behindertentoilette entspricht dem bei uns auch gewohnten Standard; ist frei zugänglich und elektrisch zu öffnen, zu schließen oder zu sperren.
Spülwaschbecken unterfahrbar, aber zu hoch.

Campen ist für Rollstuhlfahrer anstrengend. So anstrengend das Tina auf der Heimfahrt meinte sie bräuchte nach dem Campen jetzt Urlaub vom Campen. Nur zu 49% scherzhaft gemeint, oder weniger.

Die meiste Zeit, oder jedenfalls viel Zeit, verwendet der Camper auf dem Stellplatz. Schwer befahrbare Stellplätze stellen für Camper mit eingeschränkter Mobilität eine Anstrengung dar die viele Nichtbetroffene, von Stefan liebevoll als Fußgänger bezeichnet, nicht nachvollziehen können.
Alltägliche Wege auf dem Campingplatz (Zum Meer, zum Pool, zum Kiosk / Shop, zur Rezeption, zum Restaurant, zum Müll, zur Toilette, zum Spülen, zum Waschen usw.) sind anstrengend weil nicht barrierefrei gestaltet. Wenn überhaupt im Rolli erreichbar.

Konzepte die erholsames barrierefreies Campen in verschiedensten Konstellation ermöglichen sind i.d.R. ohne größeren Aufwand realisierbar wenn sie konsequent durchdacht und von qualifizierter Seite unterstützt werden.

3 Poollandschaften, mehrere Restaurants, Läden mit Strandbedarf, großer Einkaufsmarkt, Animation, Mini-Golf (2x), mehrere Spiel- und Sportlandschaften, Ausleihe von Jet-Skis und und und ….
Was von einem Camping Platz dieser Größe erwartet wird an Unterhaltung und Infrastruktur wird auch geboten. Wer nicht bis 23:00 h von der abendlichen Bespaßung mit beschallt werden will muss sich einen Platz am anderen Ende suchen, hat dann aber die Wege zu akzeptieren bis er zentral gelegene Ziele erreicht. Der Camping Platz ist sehr dezentral organisiert, über den gesamten Platz sind Sanitärhäuser verteilt, ebenso wie Restaurants und Pools.
Unsere übliche Platzrunde artete in eine sportliche Dauerleistung aus die Tage danach noch lebhaft in Erinnerung blieb, weil so einen Muskelkater hatten wir noch nicht.
Wohl dem der ein Handybike, möglichst elektrisch, oder einen E-Scooter dabei hat. Interessant war zu sehen das die Erzeugnisse aus Asien sich großer Beliebtheit erwiesen; darunter manches Interessante an dem auch Stefan seine Freude haben würde, wenn es eine Zulassung in Deutschland finden würde.
Probleme mit der Zulassung scheint es jedenfalls in Ungarn oder auch Kroatien nicht zu geben.

Fährt man die Hauptstraße entlang vorbei am Supermarkt oder von der Rezeption kommend fällt links eine schöne Poollandschaft auf mit einem größeren Becken.
Am Tag unserer Ankunft war dieser Pool selbstverständlich ein erstes Ziel zur Abkühlung. Als wir dort ankamen sahen wir das der Zugang zwingend durch eine Dusche mit kleinem Becken führt; den Fußgängern soll wohl der Dreck von den Füßen genommen werden bevor dieser in den Becken landet.

Sollen wir da jetzt irgendwie mit dem Rolli durch?

Und das Wunder geschah!

Ein Angestellter bedeutete uns zu warten, lief zur Kabine der Pool Aufsicht und holte ein Brett hervor, kam wieder zu uns und legte das Brett über das Duschbecken.

Wir konnten bequem mit dem Rolli drüber fahren; das Brett war scheinbar extra dazu bestimmt für Rollifahrer diese Hürde zu überbrücken.

Wir hatten eine der „Anpassungen für Menschen mit reduzierter Mobilität“ gefunden!

Im Anschluss beobachteten wir natürlich genau was mit dem Brett geschah. Es blieb liegen, auch später noch als wir bereits in das anliegende Restaurant (per Rampe erreichbar) umgezogen sind.

Frauen mit Kinderwagen haben das Brett benutzt.
Fußgänger haben das Brett benutzt.
Es wollte sich niemand die Füße nass machen.
Im Video auf Youtube ist das Brett zu sehen.

Das Essen im Restaurant war ok.
Highlight war dann der abschließende Cocktail den wir uns gegönnt haben. Die Besonderheit dieses Restaurant war eine ausgefeilte Getränkekarte mit mehreren Cocktails, sowohl mit und ohne Bums.

Wir haben uns den Bums gegönnt.

Jeden Tag.

Bis zur Abfahrt hatten wir alle durch.

Falls es uns wieder zu diesem Camping Platz ziehen sollte, dann definitiv auch wegen der Cocktails.

Der Einkaufsladen war der Größe des Platzen angemessen und hatte ausreichend Raum um mit dem Rolli durchzufahren.

Am Kiesstrand vorbei geht es über einen bruchfrei gepflasterten Weg; der Weg dorthin lässt eine schöne Bordsteinabsenkung mal wieder vermissen. Hat man es an der ersten Slipping Anlage, dem Bootskai, dem Hundestrand, der Vermietung von Jet-Skis usw. geschafft gelangt man zur 2. Slipping Anlage.
Diese ist recht breit und betoniert; glatt aber nicht rutschig.
Am linken Rand sind 2 Geländer befestigt in ungefährer Rolli-Breite, die bis ins Wasser führen.

Wir hatten den barrierefreien Zugang ins Meer gefunden.

Am Ende unseres Aufenthaltes haben wir an der Rezeption natürlich die Informationen hinterlassen wo sich Unterstützung für Menschen mit Mobilitätseinschränkung finden ließen.
Ob diese weiter gegeben oder notiert wurden entzieht sich leider unserer Kenntnis.
Der Hebelift kam uns nicht entgegen. Wir waren aber auch nicht an der großen Poollandschaft.
Zuviel Animatie.